Ex-BND-Chef Hanning festgenommen: Verdacht auf Weitergabe geheimer Informationen an ausländischen Dienst

Am 6. Oktober 2026 nahmen Beamte des Bundeskriminalamts den früheren Präsidenten des Bundesnachrichtendienstes, August Hanning, in seinem Haus in Nordwalde bei Münster fest. Zeitgleich griffen Ermittler seinen früheren Büroleiter Manfred D. auf. Der Generalbundesanwalt in Karlsruhe bestätigte die Festnahmen und teilte mit, gegen den 80-Jährigen werde wegen des dringenden Tatverdachts der landesverräterischen Ausspähung, des Auskundschaftens von Staatsgeheimnissen, des versuchten Landesverrats und der geheimdienstlichen Agententätigkeit ermittelt. Manfred D. werden Beihilfehandlungen vorgeworfen.

Nach Angaben der Bundesanwaltschaft soll Manfred D., der unter Hanning Büroleiter war und diese Funktion auch unter dessen Nachfolgern bis März 2026 innehatte, seinem früheren Chef bis Juni 2022 gegen Bezahlung knapp 2000 Dokumente überlassen haben. Darunter befanden sich zahlreiche als Verschlusssache eingestufte Unterlagen, die ausschließlich für die interne Lagebesprechung der BND-Leitung bestimmt waren. Hanning soll das Material nach seinem Ausscheiden aus dem Staatsdienst für seine private Beratertätigkeit genutzt haben.In mindestens einem Fall, so die Behörde, habe er aus den Informationen eine schriftliche Analyse erstellt, die für den „Mitarbeiter eines fremden nachrichtendienstlichen Sicherheitsapparates“ bestimmt gewesen sei. Ob das Papier den Adressaten tatsächlich erreichte, sei offen. Darüber hinaus soll Hanning über Jahre einen Angehörigen eines weiteren ausländischen Nachrichtendienstes mit politischen Informationen versorgt haben. Die Ermittlungen gehen auf Funde bei einer Durchsuchung im September 2025 zurück, die im Zusammenhang mit einem anderen Verfahren stand.

Die Bundesanwaltschaft nannte den betroffenen Staat nicht. Am Abend des 6. Oktober 2026 berichtete der Spiegel unter Berufung auf eigene Recherchen, die Ermittler prüften Kontakte Hannings zu einem Mitarbeiter des aserbaidschanischen Geheimdienstes. Die Analyse mit als geheim eingestuften Dokumenten sei für diesen bestimmt gewesen. Andere Medien, darunter Welt, n-tv und Bild, griffen den Bericht auf. Ob die Unterlagen tatsächlich übermittelt wurden, bleibt nach übereinstimmenden Darstellungen Gegenstand der laufenden Ermittlungen.Öffentlich belegt sind dagegen ältere Verbindungen Hannings nach Aserbaidschan. Er gehört dem Vorstand des Deutsch-Aserbaidschanischen Forums an, einer Berliner Lobbyorganisation, die der Regierung in Baku nahesteht. Eine Pressemitteilung des Forums vom 4. August 2025 listet den früheren BND-Chef weiterhin als Vorstandsmitglied. Das Forum geriet im Zuge der sogenannten Aserbaidschan-Affäre wiederholt in die Kritik; Lobbycontrol bezeichnete das Netzwerk 2021 als dubios.

Der Media and Broadcasting Council der Republik Aserbaidschan wies die Berichte am 7. Oktober 2026 zurück. Die Verknüpfung des Falls mit Aserbaidschan sei Desinformation und Teil einer Schmutzkampagne, erklärte das Gremium. Die Vorwürfe beruhten nicht auf offiziellen Quellen und zielten darauf, die deutsch-aserbaidschanischen Beziehungen zu beschädigen.

Hanning leitete den BND von 1998 bis 2005 und war anschließend Staatssekretär im Bundesinnenministerium. Nach seinem Ausscheiden aus dem öffentlichen Dienst arbeitete er als Berater. Sein Anwalt äußerte sich zunächst nicht zu den Vorwürfen. Die Bundesregierung verwies auf die laufenden Ermittlungen und kommentierte den Fall nicht. Eine gerichtliche Klärung steht aus; bis zu einer Verurteilung gilt die Unschuldsvermutung.

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